Russisch

Ab August 2019 gibt es im Kanton Bern wieder ein Schwerpunktfach Russisch. Es wird als Schulversuch an den Gymnasien Kirchenfeld und Thun angeboten. Das Gymnasium Kirchenfeld setzt damit seine über fünfzigjährige Tradition eines starken Russischunterrichts fort.

Wer sich mit der russischen Sprache beschäftigt, öffnet eine Tür zum weiten osteuropäischen Raum. Russisch ist Verkehrs- und Handelssprache in über zehn Ländern und Gebieten des ehemaligen Ostblocks. Es ist eine Amtssprache der Vereinten Nationen und gilt als Weltsprache. Russischkenntnisse erleichtern den Zugang zum gesamten eurasischen Grossraum: Sibirien, Zentralasien, Kaukasus. Der Austausch mit wirtschaftlichen, politischen und kulturellen Partnern dieser Regionen gewinnt für Schweizer Unternehmen und für verschiedene NGOs immer mehr an Bedeutung.

Der Sprachunterricht am Gymnasium ist mehr als Grammatik und Wortschatz, er schafft Zugang zu Gegenwart und Vergangenheit, zu Traditionen und Kultur. Damit legt er die Grundlage für ein besseres Verständnis von Russland und weiten Teilen Eurasiens.
Wer Russisch lernt, arbeitet sich in eine Sprache ein, die viel Ungewohntes bietet. Die Lernenden setzen sich mit einer ganz anderen Sprache und einem neuen Alphabet auseinander und müssen deshalb Freude an geistiger Herausforderung haben. Im Unterricht und in persönlicher Begegnung lernen die Schülerinnen und Schüler den neuen Kulturraum auch persönlich kennen: Im Verlauf des Kurses vertiefen sie die erworbenen Kenntnisse in einem begleiteten Sprach- und Studienaufenthalt im russischsprachigen Raum.

Im Rahmen des Schulversuchs haben die Schülerinnen und Schülern drei Möglichkeiten, sich mit der russischen Sprache zu beschäftigen.

  1. Fakultativfach Russisch: Der Unterricht beginnt im 2. Semester des ersten gymnasialen Jahrs. In den dreieinhalb folgenden Jahren lernen die Schülerinnen und Schüler die Sprache so weit beherrschen, dass sie sich in Alltagssituationen behaupten können. Sie sind in der Lage, einen Text zu verstehen, wenn auch oft mit Hilfe eines Wörterbuchs. Der Unterricht vermittelt zudem Einblicke in die russische Kultur und Traditionen. Nach drei Semestern erreichen die Schülerinnen und Schüler das Niveau A1 des Gemeinsamen Europäischen Referenzrahmens (GER) für Sprachen, nach fünf Semestern A2 und am Ende des letzten Ausbildungsjahrs das Niveau B1. Für jedes Niveau können sie ein international anerkanntes Sprachdiplom erwerben.
  2. Schwerpunktfach Russisch: Nach eineinhalb Jahren Fakultativfach Russisch können die Schülerinnen und Schüler aller Abteilungen Russisch zu ihrem Schwerpunktfach machen und ihr bisheriges Schwerpunktfach aufgeben. Drei Lektionen im zweiten Zyklus (GYM3 und GYM4) finden weiterhin mit dem Fakultativunterricht statt, eine zusätzliche Wochenlektion dient der Vertiefung der Literaturkenntnisse und der Maturvorbereitung.
    Teilweise findet der Unterricht mit dem Russischkurs des Gymnasiums Thun statt. So bieten die Gymnasien etwa gemeinsam einen Intensivkurs in den Frühlingsferien GYM2 an und organisieren in den Sommerferien GYM3/GYM4 als Zusatzprogramm einen Sprachkurs im Sprachgebiet. Die Schülerinnen und Schüler erweitern durch das gemeinsame Angebot ihr soziales Umfeld und lernen so unterschiedliche Lehr- und Lernweisen kennen.
  3. Schwerpunktfach Russisch als zusätzliches Schwerpunktfach: Besonders begabte Schülerinnen und Schüler aller Abteilungen können nach eineinhalb Jahren Fakultativfach Russisch ab GYM3 ein zweites Schwerpunktfach wählen: Sie besuchen neben ihrem ersten Schwerpunktfach Russisch als zweites Schwerpunktfach. Sie entscheiden, welches der beiden als Promotionsfach und für das Bestehen der Maturprüfungen zählen soll. Das andere Schwerpunktfach wird als zusätzliches Fach im Zeugnis und im Maturitätsausweis eingetragen.