myGymer Movie


Der Gymer Kirchenfeld zeigt im Wintersemester 17/18 drei Filme zum politischen Islam und der konfessionellen Spaltung in Sunna und Schia.

Im aktuellen 1. Semester 17/18 setzt sich myGymer Movie mit dem politischen Islam und der konfessionellen Spaltung in Sunna und Schia, die den meisten Konfrontationen in der islamischen Welt, aber auch im Westen zugrunde liegt, am Beispiel von drei Filmen auseinander. Gezeigt werden ein Film aus dem schiitischen Kulturkreis (Bahman Ghobadi; Iran (2009): «Niemand kennt die Perserkatzen»), einer aus dem sunnitisch-wahhabitischen Kulturkreis (Mahmoud Sabbagh; Saudi-Arabien (2017): «Barakah meets Barakah») sowie einer aus Bosnien-Herzegowina (2010) (Jasmila Žbanić; BIH: «Na Putu»). In allen drei Filmen zeigt sich erschütternd klar, wie eine totalitäre Auslegung der Religion und die fehlende Trennung von Religion und Politik die Zukunftshoffnungen, die Freiheiten und das Glück der Jugend erbarmungslos vernichten.

Das Angebot ist offen für alle Schülerinnen und Schüler sowie Angehörige des Gymnasiums Kirchenfeld.

Unter diesem Doodle-Link kann man sich verbindlich für den zweiten Film anmelden. Die Teilnehmerzahl ist auf 75 beschränkt.

Die Filme des Wintersemesters 17/18:


Montag 23. Oktober, 18.30 Uhr: Bahman Ghobadi; Iran (2009), «Niemand kennt die Perserkatzen»

«No One Knows About Persian Cats» ist wohl ungelogen die Mutter aller iranischen Underground-Music-Roadmovies, im eigenen Land selbstverständlich schwerstens verboten! In nur 17 Tagen Drehzeit spürt der Regisseur meist mit handgeführter Kamera die verrücktesten Bands auf, egal, ob sie sich im Höhlen-Labyrinth des gefühlten 9. Untergeschosses eines Teheraner Teppichladens oder mit Gelbsucht auf der Heubühne des Kuhstalls im ländlichen Nirgendwo verkriechen. Hunderte von iranischen Indie-Rockbands, Hart-Metallern, Jazz- und Bluesrockern, Rappern, Soul- und Ethnomusikerinnen lassen sich vom Sitten-Terror der islamischen Religionswächter auch trotz Auspeitschung und jahrelangen Gefängnisstrafen nicht davon abschrecken, unerhört gute Musik zu machen. Der Film ist eine Widmung an die widerborstige Jugend im totalitären Gottesstaat und an die Menschlichkeit in einem gnadenlosen Regime.


Montag 4. Dezember, 18.30 Uhr : Mahmoud Sabbagh; Saudi-Arabien (2017), «Barakah meets Barakah»

Früher war’s mal anders: Das zeigt der Regisseur, indem er mehrfach leicht frivole Filmsequenzen des ägyptischen Altmeisters Youssef Chahine als Video-Installationen oder als Fernsehgeflimmer über den Bildschirm wackeln lässt. Aber früher war früher und jetzt ist schon seit Jahrzehnten jetzt in Saudi-Arabien. In der überschaubaren Spielfilmproduktion des von Herrn Trump auf seinem ersten Auslandbesuch mit Freundschaft und Liebe beschenkten Gottesstaates ist „Barakah meets Barakah“ der zweite abendfüllende Kinofilm überhaupt, aber das ist ohnehin belanglos in einem Staat, in dem Kinos verboten sind. Machen wir es kurz: Eigentlich ist in diesem Land alles für alle verboten, ganz besonders für Frauen, denn ihnen ist alles im Quadrat verboten und sie selbst sind es auch. Dass Barakah für die staatlichen Sittenwächter arbeitet und BiBi ein Instagram-Star und Model für 90-99%-Verschleierungsmode ist, macht es der Liebe auch nicht leichter, obschon sie eigentlich die einzige Himmelsmacht ist…

Hintergrund-Informationen zu Saudiarabien finden Sie hier.


Montag, 22. Januar, 18.30 Uhr: Jasmila Žbanić; Bosnien-Herzegowina (2010), «Na Putu»

Im Film der bosnischen Regisseurin wird auf erschütternde Weise deutlich, wie der vor allem durch superreiche arabische Staaten finanzierte Salafismus den aufgeklärten, laizistischen Islam in Europa unterwandert und ausbootet. Dass die USA und der Westen daran mitschuldig sind, dass sehr viele bosnische Muslime in die Fänge der Islamisten getrieben wurden, unterstreicht die stille Anklage Jasmila Žbanićs. Wer soll zuerst in die Hölle: Luna, die die Menschen mehr liebt als Gott, oder Amar, der Gott plötzlich mehr liebt als die Menschen? Die deutsche Version des Films heisst «Zwischen uns das Paradies» – dieses paradiesische Dazwischen bleibt den Liebenden verschlossen.


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